Was ist Aufstellungsarbeit?

Wir stellen im Alltag unbewusst ständig auf: in der Familie, im Freundeskreis, im Betrieb, in einer Gruppe … Es zeigt sich, wie wir zueinander stehen, uns ansehen, am Tisch sitzen … Kommt jemand Neuer hinzu, verändert sich die „Aufstellung“, die Gruppe, die Stimmung, das Gespräch – es entsteht eine neue Dynamik und eine Veränderung wird spürbar.

Es ist eine faszinierende Arbeit und wenn man sich darauf einlässt, eine Möglichkeit wieder in den Lebensfluss zu kommen. Virginia Satir und Bert Hellinger haben die Aufstellungsarbeit geprägt. Diese Methode wurde kontinuierlich weiterentwickelt und findet in der heutigen Aufstellungsarbeit neue Wege und Einsatzbereiche.

Unserer Arbeitsweise liegt die Erkenntnis des Biochemikers Rupert Sheldrake über die "morphogenetischen Felder" zu Grunde. Nach seiner Auffassung prägen und steuern sie die gesamte belebte, wie unbelebte Schöpfung. Im Gegensatz zu dem mechanistischen Paradigma, das in der Wissenschaft seit langer Zeit bestimmend ist, schlägt er vor, das Universum als einen Organismus zu betrachten, der sich weiter entwickelt und wo alles miteinander verbunden ist. Seiner Hypothese der formbildenden Verursachung zufolge könnten wir die Naturgesetze eher als Gewohnheiten auffassen, statt sie für festgelegt und unwandelbar zu halten.

Durch die neuen Arten der Aufstellungsarbeit können Menschen alte Konzepte (von Problemen, Krankheit, Limitierung, Schicksal, ...) verlassen, da sie den Dynamiken ihrer Lebenssysteme gewahr werden. Durch das Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung werden die Teilnehmer / Statisten im Spiel der Kräfte zu intuitiven Akteuren. Dabei kann der Wandel im Moment beobachtet und eine Lösung von innen heraus zugelassen werden. Alte Bilder zerfallen - neue entstehen. Das Bewusstsein erhält eine weitere Dimension. Eine neue Realität wird erschaffen.

Wir können die sich zeigenden Lösungen nicht erklären und somit nicht wissenschaftlich beweisen. Das System / kollektive Bewusstsein findet SEINE EIGENE LÖSUNG! Anders gesagt: wir wissen nicht, warum und wie es funktioniert – was zählt, ist die Wirkung allein.

Die Arbeit in den Gruppen hat Selbsterfahrungswert und ersetzt keine Therapie und keinen Arztbesuch.

Wie läuft es ab?

Zuerst werden Spielregeln besprochen und definiert (DU-Wort, Verschwiegenheit). Dann wird vom Anliegen-Bringer das Anliegen vorgetragen und die Aufstellung in der gewählten Methode durchgeführt. Es besteht auch die Möglichkeit das Anliegen in einem Vorgespräch unter vier Augen darzulegen oder auch, dieses gar nicht zu beschreiben.

Der Anliegen-Bringer kommt mit der Intention, sein Thema sicht- u. spürbar zu machen und damit mehr Klarheit, Sicherheit, Frieden und Verbundenheit zu finden.

Der Aufstellungsleiter begleitet den Prozess und achtet auf die Dynamiken – kann aber keine Lösung (Rezept) geben. Das System arbeitet in sich. Der Aufstellungsleiter achtet darauf, dass alle Teilnehmer gut nach Hause gehen können.

Der Statist (Repräsentant, Darsteller) stellt sich zur Verfügung und wird somit zum Stellvertreter - für die Zeit während der Aufstellung Teil des Systems des Anliegen-Bringers. Jeder Teilnehmer hat natürlich auch die Freiheit, diese Rolle abzulehnen (wenn er z.B. kein gutes Gefühl, Voreingenommenheit oder Befangenheit dabei hat). Wer sich darauf einlässt, bekommt meist eine Art Spiegel vorgehalten und wer den Mut hat, hinzuschauen, erlebt, wie verdrängte oder auch versteckte Aspekte des Selbst sichtbar werden. Bei mehreren Anliegen kann es auch zu einem Wechsel der Rollen kommen; der Anliegen-Bringer wird so auch zum Statist und stellt sich für Rollen im System anderer Teilnehmer zur Verfügung.

Es ist an einem Aufstellungstag ein sehr starkes und spürbares Energiefeld vorhanden und die Dynamiken begleiten uns häufig thematisch den ganzen Tag. Man kann also zusammenfassend sagen, dass jeder Teilnehmer für seine eigenen Themen Impulse oder mehr Klarheit mitnehmen kann, egal ob als Anliegen-Bringer oder als Statist.

Wo wird Aufstellungsarbeit eingesetzt?

  • für persönliche Anliegen und Störungen aller Art
  • für das Familiensystem (Ordnung herstellen)
  • bei Fragen zur Gesundheit
  • bei Beziehungsproblemen (Paar / im Betrieb)
  • in Organisationen (politisch, sozial, betrieblich)
  • zur Analyse von Produkten / Innovationen
  • bei Generationskonflikten und Betriebs-, Haus-/ Hofübergaben
  • zur Entscheidungsfindung aller Art
  • für das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden im Allgemeinen

EINIGE ARTEN VON AUFSTELLUNGSARBEIT ...

Die innere Haltung des Aufstellungsleiters

Es handelt sich bei der Leitung einer Aufstellung weder um eine Beratung, noch um ein Coaching oder eine Therapie.

Ein Aufstellungsleiter ist grundsätzlich offen, bewusst und feinfühlig und begleitet den Anliegen-Bringer intuitiv und achtsam. Er öffnet den Raum für das System des Anliegen-Bringers, um dessen Dynamiken darin sichtbar zu machen. In der freien dynamischen Aufstellungsarbeit lässt der Aufstellungsleiter die intuitiven Bewegungen der Statisten im System des Anliegen-Bringers einfach nur zu und ermöglicht somit dem System selbst „seine eigene Lösung“ zu finden.

Martin Fuhrberg sagt dazu: „In erster Linie hat der Aufstellungsleiter folgende Grundhaltung: er ist offen, bewusst und feinfühlig. Offen heißt, er macht sich vorerst keine Konzepte über die Problematik des Klientensystems, sondern bleibt offen für jede Bewegung im System. Bewusst heißt hier: er ist voll und ganz für den augenblicklichen Prozess bereit und nimmt systemisch alle Bewegungen im Raum war. Jede Bewegung im Raum hängt für die Dauer der Aufstellung mit dem Klientensystem zusammen. Feinfühlig heißt hier: er spürt im Wesentlichen die Gefühle und Bewegungen im Raum.

Darüber hinaus durchläuft er selbst den Heilungsprozess von Wohlwollen, Achten und Lassen: durch das eigene Wohlwollen (Möge ich Glück erfahren und die Ursachen von Glück), das eigene Achten (Ich achte mich und mein Schicksal) und das Sich selbst Lassen (Ich lasse mich in Frieden) entsteht ein hingebungsvolles und wertfreies Einlassen auf den augenblicklichen Moment während einer Aufstellung. So erreicht der Aufstellungsleiter eine innere Sammlung. Durch diese Sammlung (auch Ruhiges Verweilen genannt) erwacht in ihm die Intuition durch die Verbindung mit etwas Größerem.

Die innere Sammlung und die daraus entstehende Intuition tragen die geistige Grundhaltung der Freien Dynamischen Aufstellung (FDA). Im Prinzip ist die Meditation und die FDA für mich das gleiche. Der Klient und die Statisten brauchen bei der Freien Aufstellung nur eine innere Sammlung und achtsame Bewegung, wie in der Meditation. Das ist alles.“